60 Jahre Amseln im OSC



News vom: 07.04.2011 14:15 Uhr | Veröffentlicht von: Uwe Risse

Wit treffen uns zu einer kleinen Jubiläumsfeier, am 9. April 2011, ab 18:00 Uhr, im Schlesiensaal des Rathauses Friedenau. Auch 40 ehemalige Amseln werden kommen.

Außerdem richten die Amseln am 19.6.2011, den 6. Rudi Matzke Pokal, in der Gretel Bergmann Halle, aus.

Folgend die kleine Festrede von Jürgen Fiedler

Liebe Jubilare liebe Amseln

Am 1. Juli 1951 gründete der unvergessene  Rudi Matzke die "Amsel"-Riege der Kunstturnerinnen im OSC (14. Turnabteilung des Olympischen Sport-Club). Unterstützt wurde er dabei vom OSC-Präsidenten Karl Freiberg. Das Frauenturnen war damals nicht gut angesehen es galt, bei den alten Herren im DTB, als nicht  schicklich.

Trotz des Widerstand, den Rudi damals überwinden musste, können wir heute die Gründung der Amselriege im Jahr 1951, auch die Geburtsstunde des "Olympischen Frauenturnens",  nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland, nennen.

Innerhalb der nächsten 10 Jahre, unterstützt durch Berliner- und Deutsche-Medien, entwickelte sich die Amselriege prächtig.

Erst  im Jahr 1961 gab der DTB seinen Widerstand gegen das Frauenturnen auf und nun  hat, vom OSC ausgehend, das "Olympische-Frauenturnen" seinen Siegeszug um die ganze Welt angetreten.

Aber die Amseln hatten in den 50er Jahren noch eine andere Aufgabe. Kurz nach den schlimmen Nazijahren, hatten viele Politiker in Ost und West noch eine Nazi-Vergangenheit, mit der sie nicht überall in der Welt willkommen waren.

So wurde aus der OSC-Amsel-Riege ein Goodwillteam, das im Diplomatischen Dienst, für Berlin und Deutschland, in der Welt unterwegs war. Und die jungen hübschen Frauen aus Deutschland, waren mit ihrem Show-Programm in der ganzen Welt willkommen. Rudi Matzke und seine Amseln waren bald so populär, dass Rudi es sich leisten konnte, für seine Talentsuche ein Testturnen einzuführen. Wie konnte es anders sein, als gestandener Mann, hatte er dabei natürlich die anmutigsten Frauen, besonders im Auge.

Rudi Matzke entwickelte neue Übungsteile und Turngeräte, so haben sich, die von den "Amseln" geforderten runden Holme am Stufenbarren durchgesetzt, ebenso die sportärztlichen Untersuchungen, die Rudi Matzke schon im Jahr 1955 einführte. Da es damals keine sportärztlichen Beratungsstellen gab, wurden die Untersuchungen im "Amt für Arbeitsmedizin" durch das OSC-Mitglied Prof. Dr. Kurt Maidorn durchgeführt.

Die Amseln beeinflussten auch die Turnmode, schon in den 50er Jahren führten sie eng anliegenden Gymnastikanzüge ein.

Im Katalog der dänischen Herstellerfirma wurden diese Gymnastikanzüge mit "Amselbeen". bezeichnet. Heute sind diese modischen Gymnastikanzüge mit dem "Amselbeen", einen hohen Beinausschnitt lange selbstverständlich.

Die Amseln turnten in 96 internationalen Begegnungen, u. a. in den Niederlanden, Österreich, Norwegen, Spanien, zur 1000-Jahrfeier in Luxemburg und bei den Unabhängigkeitsfeierlichkeiten 1963/1964 in Kamerun und Nigeria.

Sie wurden von den Oberbürgermeistern von Fulda, Kiel, Kopenhagen, Luxemburg, Madrid, Barcelona, Oslo und Wien empfangen und trugen sich dort in das jeweilige "Goldene Buch" ein.

Das vielseitige Show-Programm der "Amseln" war sehr gefragt, so zeigten sie ihre Show z. B. bei der Eröffnung der Deutschlandhalle, sie starteten Berliner Sechstagerennen, waren bei der "Deutschen Woche" in Rotterdam, bei Bällen der Sportpresse in Berlin, Frankfurt, Hannover, Heilbronn, bei der "Kieler Woche" und bei der Eröffnung der "Internationalen Funkausstellung in Berlin".

Heute trainieren die Amsel  4 mal in der Woche in der Schulturnhalle der Werbellinsee-Schule in Schöneberg.

Die neue Trainerin Josee-Schick hat dafür gesorgt, dass wir heute wieder einige Berliner Meisterturnerinnen in der Turnriege haben und mit ihren Showauftritten begeistern die Mädchen, auch heute wieder das Publikum.

Wenn es heute immer noch Frauenturnen genannt wird, so ist doch das Durchschnittsalter der Turnerinnen erheblich gesunken.

Deshalb ist es so wichtig, dass für uns die Gesundheit und der Spaß am Sport, bei den heranwachenden Kindern im Vordergrund steht und nicht immer die Spitzenleistungen. Dafür steht der OLYMPISCHE SPORT-CLUB BERLIN, seit einer Grundsatzdiskussion, die unsere Obertrurnwartin Gisela Eckstein und Präsident Jürgen Fiedler, vor einigen Jahren geführt haben.

Der internationale Frauenturnsport, ist eine der Beinharttesten Disziplinen im Sport überhaupt und Spitzenleistungen  entstehen nur unter extremem Druck und steinhartem Training. Ich denke, deshalb findet man so nette Frauen, wie es einmal unsere Amseln waren, nicht mehr im Olympischen Frauenturnen, höchstens als Trainerin (schade eigentlich).

Zum Schluss noch ein Dank an Christel Matzke die  mit ihrer Arbeit in der Amselriege, auch dafür gesorgt hat, dass viele Amseln, schöne Erinnerungen an ihre Zeit im OSC haben. Diese Erinnerungen sind der Grund dafür, dass wir uns heute hier treffen.

Petra Betsch hat gerufen und wir sind gekommen. Danke liebe Petra!

Nun meine Damen, zum Schluss möchte ich, nicht ganz uneigennützig, an folgendes erinnern. Sportvereine funktionieren als ein Generationsvertrag, das heißt die Älteren bedanken sich für das, was sie in Ihrer Jugend im Verein gelernt haben und geben das in späteren Jahren an die Jungen weiter.

Besonders bei den heutigen Amseln besteht da ein dringender Bedarf. Ich meine nicht, dass wir eine Trainerin suchen, aber Organisationshilfe für die Unternehmungen der Amseln und auch die Lobbyarbeit für die Amseln im OSC und in Berlin muss erledigt werden.  Ich würde mich freuen, wenn wir hier und heute ein oder zwei "Altamseln", die sich jung genug fühlen, dafür finden. Erich Kästner hat es mal so ausgedrückt: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.